Brasilien
Brasilien ist heute nach den USA der größte Bioethanolproduzent der Welt. Das südamerikansiche Land nahm im Jahr 1975, nach dem ersten Ölpreisschock, im Rahmen des sogenannten „Proál cool“- Programmes die Produktion von Bioethanol mit 96 % Alkoholgehalt aus im Land reichlich vorhandenem Zuckerrohr auf, um von teuren Ölimporten unabhängig zu werden.
In den späten 1970er Jahren erlebte Bioethanol in Brasilien einen wahren Boom. Im Rahmen des Förderprogrammes wurde einerseits die Produktion von Alkohol und andererseits von „Alkoholautos“ unterstützt. Darüber hinaus wurde ein flächendeckendes Ethanolversorgungsnetzwerk aufgebaut.
Nachdem der Ölpreis wieder fiel, war Alkohol als Treibstoff selbst in Brasilien nicht mehr wettbewerbsfähig und die Nachfrage nach „Alkoholautos“ brach ein. Der erneute Anstieg der Ölpreise in den letzten Jahren führte zu einer Wiederbelebung der Bioethanolindustrie in Brasilien.
Nunmehr setzte man allerdings nicht mehr auf wasserhaltigen Alkohol, sondern auf wasserfreien, welcher dem herkömmlichen Benzin in jedem Verhältnis zugemischt werden kann. Dabei konnte die bestehende Tankstelleninfrastruktur, die in den 1970er Jahren aufgebaut wurde, genutzt werden. Die ersten Flexible Fuel Vehicles (FFVs), die sowohl SuperEthanol als auch Benzin tanken können, wurden entwickelt und produziert.
Durch diese Innovation waren Ende 2010 rund 10 Millionen FFVs von vielen Autobauern auf Brasiliens Straßen unterwegs, die im Unterschied zu den USA und Europa oft auch reines Bioethanol E100 verwenden.