FAQs

Leiste ich als Autofahrer einen Beitrag zum Umweltschutz, wenn ich SuperEthanol E85 verwende und ein FFV kaufe?
Ja, SuperEthanol E85 spart der Umwelt rund 50% an Treibhausgasemissionen gegenüber Benzin und trägt so zur Verlangsamung des Treibhauseffektes bei.

Ist SuperEthanol E85 billiger als Superbenzin?
Ja, durch die Befreiung des Bioethanolanteils von der Mineralölsteuer und zum Ausgleich der geringeren Energiedichte je Liter. Außerdem führt SuperEthanol E85 grundsätzlich zu einer höheren Motorleistung bei gutem Umweltgewissen.

Was passiert, wenn die Steuerbegünstigung wegfallen sollte?
Der Besitzer eines FFVs tankt dann einfach Superbenzin, sollte SuperEthanol E85 im Vergleich zu Superbenzin nicht mehr wettbewerbsfähig sein. Allerdings hat sich die österreichische Bundesregierung dazu entschlossen, diesen Steuervorteil aus Umweltgründen beizubehalten.

Wo gibt es in Österreich SuperEthanol E85 -Tankstellen?
Seit 1. Oktober 2007 (Befreiung von SuperEthanol E85 von der Mineralölsteuer) bieten die ersten Tankstellen in Ballungszentren (Großstädten) auch SuperEthanol E85 an. Das Tankstellennetz wird laufend erweitert. Nähere Informationen zu den SuperEthanol E85 -Tankstellen finden Sie hier.

Ist SuperEthanol E85 genormt?
Ja, die Norm trägt die Bezeichnung ÖNORM C 1114 und ist mit 1. Juli 2007 in Kraft getreten. Die Norm für SuperEthanol E85 ist beim Österreichischen Normungsinstitut käuflich erhältlich.

Was passiert nach Auslaufen der MöSt-Befreiung mit SuperEthanol E85 bzw. wie wirkt sich die Bioethanol-Beimischung kostenmäßig dann aus?
Mittel- bis langfristig werden alternative Energieträger auch ohne MöSt-Begünstigung wettbewerbsfähig sein. Zur Zeit notieren Benzin und Bioethanol zu etwa gleichen Preisen pro Liter. Der MöSt-Vorteil überbrückt derzeit den geringeren Energieinhalt pro Liter.

Wie ist der Mehrverbrauch bei SuperEthanol E85 gegenüber einem reinen Benzin-Betrieb?
Der rein rechnerische Mehrverbrauch pro Liter beträgt bei einem 75 %igen Ethanol-Anteil 24 %. Wie Praxistests im Rahmen eines Großprojektes des Institutes für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau an der TU Wien gezeigt haben, kann dieser Mehrverbrauch gegenüber reinem Benzin-Betrieb auf rund 15 % durch eine Optimierung der Motoreinstellung und eine wirkungsgradgünstigere Energieumsetzung gesenkt werden. Daneben ist vor allem das individuelle Fahrverhalten für den Verbrauch verantwortlich.

Wo wird SuperEthanol E85 bereits verwendet?
SuperEthanol E85 wird u.a. in Brasilien, den USA und Schweden als Kraftstoff großflächig eingesetzt.

Was sind die Vorteile von Superethanol E85? Was sind die Nachteile?
Vorteile sind die wesentlich geringere Treibhausgasbelastung und eine zum Teil deutliche Leistungssteigerung der Motoren.

Ein Nachteil ist, dass das Tankstellennetz für SuperEthanol E85 in Österreich erst im Aufbau ist. Der Nachteil, dass Benzinmotoren mit SuperEthanol E85 mehr verbrauchen, wird durch den günstigeren Preis infolge der Mineralölsteuerbefreiung des Ethanolanteils mehr als aufgehoben.

Schadet Bioethanol dem Fahrzeug?
Bei einer Beimischung von 5 % zum Fahrbenzin entstehen keine Schäden an Fahrzeugen. Bei einer höheren Beimischungsrate zum Fahrbenzin (E10) bestehen Unsicherheiten, bezüglich sehr alter Fahrzeuge. Man schätzt, dass max. 5 % des österreichischen Fahrzeugbestandes damit Probleme haben könnten. In so gut wie allen neuen Autos können Bioethanolmischungen bis zu 10 % ohne Bedenken verwendet werden. Es stellt sich nun die Frage, ob Uraltfahrzeuge vielfach noch ohne Katalysator einen Verzicht auf E10 wert sind.

Muss ich Bioethanol tanken?
Bioethanol wird in Österreich im Rahmen der aktuellen Substitutionsverpflichtung fossiler durch biogene Treibstoffen bereits flächendeckend zu rund 5 Volums-% Super- und Normalbenzin beigemischt. Super-Plus hat keinen Bioethanol-Anteil.

Woher kommt Bioethanol, das in Österreich beigemischt wird?
Seit Juni 2008 wird Bioethanol bedarfsdeckend im AGRANA Bioethanolwerk in Pischelsdorf |NÖ auf Basis regionaler Rohstoffe (vor allem Weizen und Mais) hergestellt. 

Stimmt es, dass für die Biokraftstoffproduktion Wälder abgeholzt werden?
Biotreibstoffe werden immer wieder für die Regenwaldabholzung verantwortlich gemacht. Das oft geäußerte Argument, dass Brasilien massiv Regenwald rodet, um weitere Flächen für den Zuckerrohranbau zur Bioethanolproduktion zu gewinnen, ist nicht nachvollziehbar. Brasilien bebaut derzeit ungefähr eine Ackerfläche von 67 Mio. Hektar, davon rund 8 bis 9 Mio. Hektar mit Zuckerrohr. Das Land verfügt über weiteres Flächenpotenzial von rund 100 Mio. Hektar für die agrarische Nutzung, bestehend aus Brachland und Weideflächen. Brasilien muss daher keinen Regenwald oder Naturschutzgebiete antasten, um weitere Agrarflächen zu erschließen. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie des WWF Brasilien aus dem Jahr 2009. Zudem wären die Bedingungen in den Regenwaldgebieten Brasiliens – insbesondere in Amazonien – für die Zuckerrohrproduktion nicht optimal. Nicht zufällig befinden sich die größten Zuckerrohrplantagen viele tausend Kilometer von Amazonien entfernt, weiter südlich, etwa in den Bundesstaaten São Paulo und Rio de Janeiro.

In Europa, insbesondere in Österreich, gelten ohnehin ganz andere Rahmenbedingungen. Alle Nutzpflanzen werden hier unter Einhaltung strenger Umweltkriterien angebaut, auch jene für die Energiegewinnung. In Europa werden keine Wälder für Bioethanol abgeholzt. Energiepflanzen für Bioethanol werden auf bestehenden Flächen bzw. ehemaligen Brachflächen angebaut, die in den letzten Jahren zwangsweise zur Exportbegrenzung stillgelegt waren und 2009 von der EU-Kommission wieder für den landwirtschaftlichen Anbau freigegeben wurden.

Daneben wird bei der Herstellung von Bioethanol auch das hochwertige, gentechnikfreie Eiweißfuttermittel ActiProt erzeugt, das Sojafuttermittelimporte aus Übersee ersetzt. Bioethanol stellt eine sinnvolle Nutzung europäischer Getreideüberschüsse dar, da nur der Stärkeanteil (Kohlehydrate) der Rohstoffe zur Energiegewinnung genutzt wird, der Eiweißanteil (Proteine) wird als Futtermittel für den Einsatz in der Lebensmittelproduktion verwendet.   

Stimmt es, dass für Biosprit enorme Wassermengen notwendig sind?
In den gemäßigten Regionen Europas benötigt man normalerweise keine künstliche Bewässerung für Weizen und Mais. Rechnet man das Regenwasser, das hier im Schnitt auf 1m² Fläche fällt, dazu, kommt man in etwa auf die oft in den Medien kolportierten Zahlen von mehreren tausend Litern pro Liter Biokraftstoff. Dieser Regen würde aber auch auf 1m² Brachfläche fallen. Andere landwirtschaftliche Produkte wie Baumwolle oder Kaffee, die in weniger regenreichen Regionen der Erde wachsen und daher zusätzlich bewässert werden müssen, benötigen ein Vielfaches an Wasser. Im Herstellungsprozess der Bioethanolerzeugung werden für 1 Liter Ethanol nur ca. 6 Liter Wasser benötigt.

Laut einer Studie des Nobelpreisträgers Crutzen werden beim Anbau von Pflanzen für Biokraftstoffe hohe Mengen des umweltschädlichen Lachgases freigesetzt. Stimmt das?
Die behauptete Umweltschädlichkeit von Biokraftstoffen aufgrund ihrer Lachgasemissionen ist nicht nur wissenschaftlich fragwürdig, sie ist für österreichisches Bioethanol definitiv falsch. (Lachgas ist ein Treibhausgas das 296-mal stärker wirkt als CO2 und daher mit 296 CO2 Äquivalenten in Klimabilanzen einfließt.) Namhafte Wissenschafter hinterfragen die Ansätze der Studie. Die Werte für die Lachgasemissionen wurden um das 3-5 fache höher angesetzt als vom IPCC, dem für die Klimaschutzziele maßgeblichen Gremium. Auch das Nährstoffaufnahmevermögen der Pflanzen ist um fast die Hälfte unterbewertet worden.

Die Studie zu Lachgasemissionen von Prof. Crutzen geht davon aus, dass Biospritflächen in Europa 1:1 durch Waldrodung anderswo ersetzt werden müssen. Das stimmt allerdings nicht. Zum einen finden bisher ungenützte Potenziale für Ackerland keine Berücksichtung, zum anderen wird der Flächenbedarf für Biokraftstoffe stark überschätzt, da die eiweißreichen Futtermittel, die gleichzeitig mit den Kraftstoffen erzeugt werden, in Prof. Crutzens Studie keine Beachtung finden.

Bei der Produktion von Ethanol aus einem Hektar Getreide wird Eiweißfuttermittel gewonnen, das in Brasilien auf ca. 2/3 eines Hektars angebaut werden müsste. Damit beträgt der Flächenverbrauch für Ethanol bei Berücksichtigung der Nebenprodukte nur rund 1/3 der Fläche. Durch die in der Ethanolanlage in Pischelsdorf anfallende Eiweißfuttermenge können in Südamerika ca. 60.000ha Sojaflächen ersetzt werden.

Zudem wurde in der Studie von Prof. Crutzen mit globalen Durchschnittswerten beim Düngemitteleinsatz gerechnet, die der europäischen, geschweige denn der österreichischen Landwirtschaft nicht gerecht werden.

Im Übrigen entstehen Lachgasemissionen bei allen landwirtschaftlichen Kulturen, denn nur die Art der landwirtschaftlichen Produktion - nicht der Zweck - beeinflusst die Lachgasemissionen. Niemand würde auf die Idee kommen, die Baumwolle wegen ihrer Lachgasemissionen zu kritisieren und daraus abzuleiten, dass wir mehr Polyesterhemden tragen sollten, weil diese aus Erdöl hergestellt werden.

Auch in der Lebenszyklusanalyse des Grazer Joanneum Research Centers für die Bioethanolanlage Pischelsdorf wurden alle anfallenden Lachgasemissionen berücksichtigt und trotz dieser Emissionen zeigt die Treibhausgasbilanz eine Einsparung von 50% gegenüber Benzin.

Unter ökologisch, ökonomisch und sozial sinnvollen Rahmenbedingungen produziertes Bioethanol kann einen wesentlichen Beitrag zur Verringerung der Treibhausgasemissionen leisten. Grundsätzlich gilt, dass Studien zur Emission von Treibhausgasen durch Biotreibstoffe besonders im Hinblick auf ihre Ausgangsannahmen sowie ihren Gültigkeitsbereich im Einzelfall betrachtet werden müssen.

Ist der Rohstoffpreisanstieg und damit die Verteuerung der Lebensmittel für die Ärmsten der Armen nicht eine Folge der Biokraftstoffproduktion, einfach weil es weniger Agrar-Rohstoffe am freien Markt gibt und die Preise deshalb anziehen?
Immer wieder gerät die Biotreibstoffproduktion in den Verdacht, hohe Preise für agrarische Rohstoffe auszulösen, die für die Menschen in den Industrienationen zu höheren Ausgaben für Lebensmittel und in den ärmsten, politisch instabilsten Ländern der Welt dazu führen, dass sich viele die Grundnahrungsmittel kaum noch leisten können. Selbstverständlich hat die Ernährung von Menschen immer Vorrang! Dennoch gilt es zu differenzieren:

Ausgangspunkt einer Getreidepreishausse sind meist schlechte Ernten in wichtigen Anbauländern und der dadurch bedingte Fall der internationalen Getreidelagerbestände. Angebotsbedingte Preiserhöhungen werden zudem durch Aktivitäten des internationalen Finanzsektors verstärkt. Dies wurde zuletzt auch im Jahr 2007 deutlich, in dem neben einigen Missernten auch die Vorboten der internationalen Finanzkrise einen wesentlichen Beitrag zum exorbitanten Anstieg der Getreidepreise leisteten. Aufgrund der im Sommer 2007 gestarteten Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten waren viele Milliarden Dollar spekulatives Kapital von den Aktien und Immobilienmärkten in die Rohstoffmärkte geflossen und hatten eine beispiellose Spekulationswelle ausgelöst. Dadurch wurde ein durch schlechte Ernten bedingter bestehender Preistrend erheblich verstärkt. Auch im Rahmen der Getreidepreishausse 2010 zeigte sich ein ähnliches Bild.

Es sind vor allem diese beiden Faktoren, die immer wieder als Preistreiber auf den internationalen Getreidemärkten wirken, und nicht, wie oft fälschlicherweise behauptet, die Produktion von Bioethanol, für die aktuell unter Berücksichtigung der erzeugten Futtermittel nur der geringe Anteil von rund 4 % des Weltgetreideaufkommens eingesetzt wurde.

Grundsätzlich werden in Zeiten hoher Weltmarktgetreidepreise strukturelle Probleme im Agrarsektor besonders deutlich. In den von Hunger am meisten betroffenen Ländern boten in vielen Fällen, neben jahrelangen Bürgerkriegen und korrupten Regimen, international niedrige Agrarpreise jahrzehntelang zu wenige Anreize für dringend notwendige Investitionen in die Landwirtschaft. Dadurch sind viele dieser Länder aufgrund fehlender eigener agrarischer Produktion gezwungen, auch in Zeiten hoher Preise Getreide am internationalen Markt einzukaufen.

Dennoch gab und gibt es kein grundsätzliches Mengenproblem der globalen Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Es gibt genug Lebensmittel für alle auf der Welt. Hunger ist vorrangig ein Problem der Verteilung. Unter geordneten politischen Verhältnissen, der Zurverfügungstellung von Saatgut für die armen Länder und fairen Marktpreisen für lokale Kleinbauern müsste niemand mehr Hunger leiden. Zur künftigen Ernährungssicherung der Weltbevölkerung sind vor allem nachhaltige Produktionsanreize für die landwirtschaftliche Rohstoffproduktion in den Entwicklungsländern erforderlich. Der beste Beweis dafür ist, dass das Hungerproblem schon bestand, bevor die Biotreibstoffproduktion begonnen hat.

Investitionen in die Landwirtschaft in den Entwicklungs- und Schwellenländern sind auch dringend notwendig, um einem anderen Trend Rechnung zu tragen. Der steigende Wohlstand in den Emerging Markets vor allem in Indien und China führt zu einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten. Steigender Wohlstand bedeutet mehr Fleischkonsum. Mehr Nachfrage nach Fleisch führt aber gleichzeitig zu einer Vervielfachung der Nachfrage nach Futtermitteln: für 1 kg Hühnerfleisch sind rund 2 kg Futter notwendig, für 1 kg Rindfleisch 8 kg Futter. Wenn einige hundert Millionen Menschen in Zukunft mehr Fleisch essen, bedeutet dies einen enormen Mehrbedarf an Futtermitteln und damit auch an agrarischen Rohstoffen.

Diesem Argument folgend, muss man auch feststellen, dass im Fall des sogenannten „Welthungers“ sehr oft eine Mangel- bzw. Fehlernährung gemeint ist. Dabei besteht vor allem ein Mangel an Eiweiß (Proteinen), weniger ein Mangel an Kohlehydraten. In diesem Fall verkürzt Bioethanol das Nahrungsangebot nicht, denn Bioethanol nutzt lediglich den Kohlehydrat- bzw. Stärkeanteil der Pflanzen, der Proteinanteil wird zu Futtermittel verarbeitet.

Haben Biokraftstoffe Zukunft?
Auf Biokraftstoffe sollte nicht verzichtet werden, weil wir jeden Baustein brauchen, um unsere Klimabilanz in Ordnung zu bringen. Besonders im Verkehrsbereich existieren keine kurzfristig umsetzbaren Alternativen. Daher verfolgt die EU auch das Ziel, bis 2020 den Anteil an biogenen Kraftstoffen auf 10 % zu erhöhen.

Gibt es überhaupt genug Anbauflächen für so viel Biokraftstoff in Europa?
In der europäischen Diskussion um die Erhöhung der Substitutionsverpflichtung von Benzin und Diesel durch Biotreibstoffe wird sehr oft die Frage nach der Flächenkonkurrenz für die Rohstoffe zur Nahrungsmittel- bzw. Energieproduktion gestellt. Dabei muss ganz klar festgehalten werden, dass die Substitution von 10 % fossilen Treibstoffen durch Biotreibstoffe in Europa realistisch und aus europäischen Ressourcen bei Nutzung der bestehenden Agrarflächen machbar ist, ohne dass das europäische Getreideangebot in irgendeiner Weise gefährdet wird.

Ganz im Gegenteil: Viele Agrarflächen lagen bis zur Aufhebung der 10 %-Flächenstilllegung durch die EU-Kommission mit offizieller Wirkung von 1. Jänner 2009 brach. Ohne die Verwertung von Getreideüberschüssen in der Bioethanolproduktion müssten Agrarflächen wieder zwangsweise stillgelegt werden, um Überschüsse zu vermeiden. Durch Bioethanol können europäische Getreideüberschüsse einer sinnvollen Verwendung zugeführt werden. Gleichzeitig kann hochwertiges, gentechnikfreies Eiweißfuttermittel, das Sojafuttermittelimporte aus Übersee ersetzt und damit in den Exportländern Sojaanbauflächen für die Lebensmittelproduktion frei macht, produziert werden.

Man hört viel von Biokraftstoffen der 2. Generation, die viel effizienter sind als die bestehenden. Sollte man nicht noch diesen Technologiesprung abwarten?
Biokraftstoffe der 2. Generation sollen einmal aus den gesamten cellulosischen Anteilen von Pflanzen, also etwa auch aus Gräsern oder Hölzern, gewonnen werden. Diese Technologie soll eine doppelt so hohe Ausbeute ermöglichen, funktioniert derzeit aber nur in Pilotanlagen und noch nicht in großindustriellen Anwendungen. Es wird noch 5 bis 10 Jahre dauern, bis diese Technologie Anlagen der ersten Generation vorgeschaltet werden können. Bis dahin ist es richtig, die bestehende Technologie im Sinne unserer Umwelt optimal zu nutzen. Denn ohne die Wegbereiter der ersten Generation, die die Infrastruktur und den Markt für Biokraftstoffe aufbauen, werden die hohen Investitionen in die zweite Generation nicht getätigt werden.

Wie sehen die regulatorischen Rahmenbedingungen für den Einsatz biogener Treibstoffe in der EU aus?
Am 26. März 2009 wurde die endgültige Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen und zur Änderung und anschließenden Aufhebung der Richtlinien 2001/77/EG und 2003/30/EG beschlossen.

Die EU-Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen enthält folgende Zielwerte bis zum Jahr 2020: 

  • 20 % weniger Treibhausgasemissionen, 
  • 20 %-Anteil erneuerbarer Energie, wobei 10 % der Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen stammen müssen.

Gemäß dieser Richtlinie muss die Treibhausgasemissionseinsparung durch Biokraftstoffe über deren Lebenszyklus berechnet mindestens 35 % betragen. Ab dem 1. Jänner 2017 müssen Einsparungen von 50 % und bei Anlagen, die ihre Produktion nach diesem Stichtag aufnehmen, Einsparungen von mindestens 60 % erzielt werden.

Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen gelten in Österreich?
Die EU-Biokraftstoffrichtlinie wurde in Österreich durch eine Substitutionsverpflichtung im Rahmen der Novelle der Kraftstoffverordnung im November 2004 in nationales Recht umgesetzt, wobei die österreichischen Ziele ambitionierter gesteckt wurden als von der Europäischen Union vorgeschrieben.

In Österreich müssen bereits seit 1. Oktober 2008 5,75 % des Gesamtenergieinhalts aller in Verkehr gebrachten Kraftstoffe durch biogene Treibstoffe substituiert werden. Zur Erreichung des vorgeschriebenen Substitutionszieles können sowohl Biokraftstoffe, wie reiner Biodiesel und der umweltfreundliche Kraftstoff SuperEthanol E85, der aus bis zu 85 % Bioethanol und dem Rest Benzin besteht, als auch den Kraftstoffsorten Diesel und Benzin beigemischte Mengen biogener Treibstoffe herangezogen werden.

Die österreichische Substitutionsverpflichtung von 5,75 % des Energieinhaltes der in Verkehr gebrachten Kraftstoffe wird im Moment durch einen höheren Beimischungsprozentsatz von Biodiesel zu Diesel erreicht. Konkret werden dem an österreichischen Tankstellen abgegebenen Dieselkraftstoff derzeit 6,3 Energieprozent Biodiesel beigemischt. Da in Österreich eine Kraftstoffnorm für eine Beimischung von 5 Energieprozent von Bioethanol zu Benzin fehlt, werden Benzin nur rund 3,4 Energieprozent Bioethanol (das entspricht rund 5 Volumsprozent) beigemischt.

Weiterführende Informationen zur Bioethanolproduktion

Broschüre Bioethanol

Weiterführende Informationen zu ActiProt

gentechnikfreies Eiweißfuttermittel ActiProt